Es ist derjenige der Glücklichste, der mit dem geringsten Bedauern zurückblicken kann. Robert Baden-Powell

Deutschfrancaisitaliano

Blog: Aiuta und Gozilla on tour

Pfadi im ehemaligen Jugoslawien

In den letzten zweieinhalb Monaten auf unserer Reise sind wir durch das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens gereist. Dabei haben wir viele Menschen und Pfadis getroffen und uns mit ihnen unterhalten.

Slowenien

Slowenien ist ganz im Norden des ehemaligen Jugoslawien und stand somit am Anfang unserer Reise. Dank der Nähe zur EU und der Tatsache, dass sich Slowenien ohne grossen Konflikt aus dem Staat Jugoslawien lösen konnte, ist Slowenien im Vergleich zu den anderen Balkanstaaten sehr weit entwickelt. Ebenso verhält es sich mit der Pfadi. Die beiden Pfadiverbände sind zwar klein (der katholische Verband hat ca. 4'000 Mitglieder, der konfessionlose ca. 6'000), aber die Strukturen und die Ausbildung sind etabliert. Dieses Jahr fand in Slowenien die World Scout Conference (entspricht der DV der PBS) statt. Wir hatten die Möglichkeit, das nationale Pfadizentrum des ZSKSS zu besuchen. Es steht mitten in einem Wald (die nächste Siedlung ist 13 km entfernt) auf dem Gelände eines ehemaligen Holzverarbeitungswerkes. Die Ruinen kann man noch sehen. Das Pfadizentrum ist gut ausgebaut und würde sich auch für Schweizer Pfadis als Unterkunft für Lager und Ausbildung eignen.

Kroatien

In Kroatien konnten wir eine Abteilung besuchen und mit ihnen am Jamboree on the air teilnehmen. Obwohl sich die Rover mehr den Computerspielen als dem Jota widmeten, war der Austausch sehr spannend. Ähnlich wie in Slowenien, sind die Hauptsorge der Pfadis die Jugendarbeitslosigkeit und die steigenden Preise.

Serbien

In Serbien fand die diesjährige Scout and Guide Academy – eine von WOSM und WAGGGS European Region durchgeführte Veranstaltung – statt. Dadurch ergaben sich für uns sehr viele internationale Kontakte, aber von der Pfadi in Serbien haben wir nicht sehr viel mitbekommen. Wer aber einen fundierten Einblick in die Pfadi in Serbien haben möchte, der besucht am besten nächstes Jahr den Pano der PBS, welcher zusammen mit Serbien durchgeführt wird. Schau mal auf der Homepage der PBS!

Bosnien und Herzegowina

Das Land ist vom Bürgerkrieg noch tief gezeichnet. Minenfelder und Kriegsruinen sieht man noch im ganzen Land. Auch wenn die Risse und Wunden aus dem Krieg in den Gesprächen noch sehr spürbar sind, sind die Menschen sehr (gast)freundlich und äusserst hilfsbereit. Die Serbischen und Bosnischen Pfadis arbeiten unterdessen wieder zusammen. Durch Vermittlung wurden wir prompt zu einer Party in einem Pfadiheim eingeladen. Obwohl nur wenige der Anwesenden selber Pfadis waren, war die Party unvergesslich!

Montenegro und Kosovo

In Montenegro und Kosovo hatten wir keinen Kontakt zu Pfadis. Wir sind aber überzeugt, dass es auch in diesem Teil des Balkans Pfadis gibt. Die Menschen sind hier auch wie in allen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens äusserst hilfsbereit.

Mazedonien

In Mazedonien wurden wir praktisch auf Schritt und Tritt von den Pfadi begleitet und wir konnten so einen tiefen Einblick in das Pfadileben in Mazedonien gewinnen.

Die Mitgliederzahl des Verbands ist mit 2'000 sehr klein. Angeblich hatten die mazedonischen Pfadis mal über 30'000 Mitglieder. Wir spüren aber eine Art Aufbruchsstimmung, die hoffen lässt. Es gibt ca. alle vier Jahre ein national Jamboree, die Pfadiliteratur wird neu aufgesetzt, es gibt gemeinsame Pfadiaktivitäten mit Abteilungen aus anderen Ex-Ju-Ländern, man macht sich Gedanken über eine Art PTA und man überlegt sich, die Pfadfinderinnen besser einzubeziehen und WAGGGS beizutreten (der Verband ist nur Mitglied von WOSM). „Leider“ steht für die Pfadiarbeit sehr viel Zeit zur Verfügung – die Jugendarbeitslosigkeit ist eines der grössten Probleme des Landes.

 

Die grösste Herausforderung, welche die mazedonischen Pfadis haben ist, dass das Land multiethnisch ist und mit albanisch und mazedonisch unterschiedliche Sprachen hat. Auf mein Hinweis, dass die Schweiz auch verschiedene Landessprachen hat, erhielt ich die Antwort „You forgot: This is Balkan not Switzerland“. Und das scheint tatsächlich eine grosse Herausforderung zu sein. Obwohl zum Teil im gleichen Ort wohnhaft, gehen die Albaner und Mazedonier in unterschiedliche Klasse und lernen die Sprache der anderen Ethnie nicht. Eine Zusammenarbeit ist dadurch natürlich sehr schwierig. Andere Herausforderungen sind die Zusammenarbeit mit den Muslimischen Verbänden. Das dies auch nicht ganz einfach ist, zeigt sich an einem kleinen Beispiel: Die Mazedonischen Pfadis haben sexuelle Aufklärung in ihrem Programm – ein absolutes Tabuthema bei den muslimischen Pfadis.

 

Ein spezielle Aktivität haben wir am „Tag der Bäume“ miterleben dürfen. An einem Mittwochmorgen – die Schule wird dafür geschlossen – werden im ganzen Land Bäume gepflanzt. Die Schüler können wählen, ob sie mit der Schule oder mit der Pfadiabteilung Bäume pflanzen möchten. So wurden beim Pfadiheim mehrere kleine Bäume gepflanzt. Wir finden: Das könnten wir in der Schweiz auch mal tun!